Kein „man“ mehr: Gender-Sprachleitfaden für Soldaten

„Ein Gender-Sprachleitfaden beim österreichischen Bundesheer sorgt derzeit für Aufregung. Darin werden Soldaten und Soldatinnen dazu angehalten, beim Schreiben und Sprechen die Frauen „sichtbar“ zu machen, indem sie die Paarform oder das Binnen-I verwenden. Wörter wie „man“, „jeder“, „jemand“ und „niemand“ sollen nach Möglichkeit vermieden und durch „wertneutrale Bezeichnungen“ ersetzt werden. „Mannschaft“, „Mannesausrüstung“ und „Mannstunde“ werden ebenfalls aus dem Soldatenwortschatz verbannt, es heißt nun „Besatzung“, „Personenausrüstung“ und „Personenstunde.“ Hier weiterlesen.

Streit um Biene Maja

„Bei dem Streit zwischen Richter und Justizwachtmeister soll es um eine als Biene Maja verkleidete Frau gegangen sein. (…) Der Jurist hatte am Tag der Tat wohl sehr tief ins Glas geschaut. Die Generalstaatsanwaltschaft konnte jedenfalls nicht ausschließen, dass sich der Mann, der früher selbst über Schläger urteilte, nach „nicht unerheblichem Alkoholkonsum“ im Zustand „verminderter Schuldfähigkeit“ befand. Dies musste schließlich strafmildernd berücksichtigt werden.“ Hier weiterlesen.

AfD sucht Erschießungskommando


Die AfD sucht Sie!

Haben Sie Spaß am Umgang mit Menschen? Verspüren Sie einen unbändigen Hass auf die deutsche Regierung? Sind Sie geübt im Gebrauch von Schußwaffen? Dann werden Sie doch Teil des neuen AfD-Erschießungskommandos!

Die AfD sucht zum nächstmäglichen Zeitpunkt einen / eine Erschießer/in (Vollzeit)

Wir bieten Ihnen:

– flexible Arbeitszeiten
– die Möglichkeit Regierungsmitglieder und andere Volksverräter eigenhändig zu erschießen
– ein Team hochmotivierter Soziopathen
– übertarifliche Bezahlung

Wir erwarten:

– grundlegende Verachtung des Rechtstaates und demokratischer Prozesse
– unterentwickelte Empathiefähigkeit
– moralische Flexibilität
– einen IQ unter Zimmertemperatur

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann melden Sie sich bitte zeitnah beim AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt unter geschaeftstelle@afd-lsa.de. Frauen und Schwerbehinderte werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt.

_____________________________________________________________________________

Wem Sie dieses verlockende Angebot zu verdanken haben? Niemand geringeren als René Augusti, seines Zeichens Schriftführer des AfD-Kreisverbandes Salzwedel. Auf Facebook schrieb Augusti:

AugustiAuch die „Mitteldeutsche Zeitung“ wurde auf den Beitrag aufmerksam und widmete dem menschenfreundlichem Vorschlag einen eigenen Artikel. Das brachte René Augusti aber offensichtlich erst so richtig in Fahrt. In einem weiteren Beitrag (Screenshot) erklärte der AfD-Erschießungsbeauftragte, er stehe zu jedem von ihm „geschriebenen Wort und werde auch keins zurücknehmen“. Schließlich habe er keinesfalls zum Mord aufgerufen.

Um „an der Wand zu stehen“ bedürfe es viel mehr eines Richterspruchs, einer Anklage und eines Straftatbestandes, so Augusti. Letzterer liege in der Förderung illegaler Einreise. Mitnichten gehe es also darum „jemanden wahllos an die Wand zu stellen“. Stattdessen sei die „politische Führung in diesem Land gemeint“ gewesen. Außerdem bekenne er, Augusti, sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung als Grundlage seiner politischen Arbeit.

Das ist alles natürlich Äußerst beruhigend zu wissen: Nicht jeder soll erschossen werden, sondern „nur“ die Regierung. Und das auf Grundlage der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Per freiheitlich-demokratischen Genickschuss sozusagen. Noch befremdlicher ist lediglich das folgende Bekenntnis sich „stets“ für die „Nichtbenachteiligung von anders denkenden“ (sic!) stark gemacht zu haben.

Indes scheinen Grundgesetzvergewaltiger wie René Augusti im AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt eher die Regel als die Ausnahme zu sein. So veröffentlichte das Landesvorstandsmitglied Jobst von Harlessem 2014 auf Facebook ein Foto auf dem Vermummte US-Präsident Barack Obama, US-Außenminister John Kerry und den republikanischen Sentor John McCain erhängen.

In einem weiteren Beitrag erklärt von Harlessem, dass die US-Regierung am 11. September 2001 das eigene Volk „gesprengt“ habe – also der wirkliche Auftraggeber des Anschlags gewesen sei. Einen „Like“ gab es dafür vom Landesvorsitzenden André Poggenburg, der selbst bereits die Ausweisung des jüdischen Moderators Michel Friedmann gefordert hatte. Dieses Niveau hat Poggenburg indes offenbar nie verlassen. Die „Volksstimme“ berichtete etwa kürzlich über eine AfD-Kundgebung in Magdeburg:

AfD-Landeschef André Poggenburg attackierte die Gegendemonstranten als „linksgrüne Sippschaft“. „Diese verlogenen Lumpen wollen nach Lust und Laune jeden herholen, der unser hart erarbeitetes Sozialsystem plündern will“, rief er unter dem Beifall seiner Anhänger.

Müsste man solche „verlogenen Lumpen“ aus AfD-Sicht nicht eigentlich auch an die Wand stellen? Also auf freiheitlich-demokratische Art und Weise versteht sich…

(Foto oben: Erschießung des Mehrfachmörders Louis Amadeo Brihier Lacroix alias Émile Dubois am 26. März 1907 in Valparaíso, Chile)

CDU goes Putin

Kleiner Blick hinter die Kulissen: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl A. Lamers, seines Zeichens Leiter der deutschen Delegation in der Parlamentarischen Versammlung der NATO und stellvertretender Leiter des Verteidigungsausschusses im Bundestag, hat bei der Parlamentarischen Versammlung der NATO eine pro-russische Position bezogen und versucht die Resolution in diesem Sinne zu gestalten.

Mustafa Nayyem, ein Delegierte der Ukraine, schrieb dazu am 11.10.2015 auf Facebook:

Dies ist meine erste Sitzung als Mitglied der ukrainischen Delegation in der Parlamentarischen Versammlung der NATO. Und ich stehe jetzt schon unter einem leichten Schock, wie sehr sich die öffentlichen Positionen einiger unserer Partner von ihren Spielen hinter den Kulissen unterscheiden. Es zeichnet sich ein Konflikt mit den deutschen Delegierten bezüglich der ukrainischen Frage ab.
Heute soll die Parlamentarische Versammlung der NATO die Resolution «Solidarität mit der Ukraine» verabschieden, deren Autor die französische Delegierte Joëlle Garriaud-Maylam ist.

Der Entwurf der Resolution ist durchaus akzeptabel: Der Parlamentarischen Versammlung der NATO wird vorgeschlagen, die russische Aggression und die Unterstützung der Separatisten im Osten der Ukraine aus Moskau als Tatsache anzuerkennen, und deshalb die Regierungen und Parlamente der Länder des Bündnisses dazu aufzurufen, die Ukraine im Kampf um die Unabhängigkeit und territoriale Integrität durch die Verlängerung der Sanktionen gegen Russland zu unterstützen wie auch der Ukraine die diplomatische, politische, finanzielle, wirtschaftliche und technisch-materielle Hilfe zu gewähren.

 

Und nun das Erstaunliche. Von den vierzehn Änderungsvorschlägen zu der Resolution kam die Hälfte vom deutschen Delegierten Karl A. Lamers. Ich bin kein Fan von lauten und pompösen Worten, aber bei allem Respekt vor dem Kollegen aus dem Bundestag: Mindestens fünf von diesen Änderungsvorschlägen würde man bei uns in der Ukraine als separatistisch, und die restlichen zwei – als offen pro-russisch und anti-ukrainisch bezeichnen.

Ich führe hier bloß drei seiner Änderungsvorschläge an:

 

ÄNDERUNG №10: Herr Lamers schlägt vor, den Resolutionspunkt Nr. 8b zu entfernen. Dieser Punkt beinhaltet den Aufruf an die Länder der Allianz, Druck auf Russland solange auszuüben, bis Moskau allen seinen Verpflichtungen im Rahmen der Minsker Abkommen nachgeht und die Besetzung der ukrainischen Gebiete einschließlich der Krim beendet. Stattdessen schlägt der deutsche Delegierte die lakonische Formulierung vor: „Druck auf beide Konfliktparteien bis zur Umsetzung von Minsker Abkommen auszuüben“. Somit wird die Annexion der Krim ausgeklammert oder gar gestrichen.

 

ÄNDERUNG №8: Herr Lamers schlägt vor, den Punkt 5 der Resolution zu streichen, und somit den Begriff „pro-russische Separatisten“ aus dem Text zu entfernen. Stattdessen schlägt der deutsche Abgeordnete vor, alle Parteien dazu aufzurufen, sich an Minsker Abkommen zu halten und die Modalitäten der Durchführung von Wahlen auf bestimmten Territorien der Donezker und Luhansker Gebiete einzuhalten. „Alle Parteien?!“ Von welchen allen Parteien im Kontext der Wahlen auf diesen Territorien geht es, wenn der offizielle Kiew keinen Zugang dazu hat und bereits eine beispiellose Anzahl von Zugeständnissen in dieser Angelegenheit eingegangen ist?

 

ÄNDERUNG №11: Der Punkt 8c der Resolution ruft „Russland und die separatistischen Kräfte auf, alle Einschränkungen für den Zugang der OSZE-Beobachtermission auf das gesamte Territorium der Ostukraine, einschließlich der russischen Grenze entlang abzuschaffen“. Unterdessen schlägt Herr Lamers vor, anstatt „Russland und separatistische Kräfte“ mimosenhaft „alle Parteien“ anzugeben. Anscheinend weiß Herr Lamers nicht, dass weder die ukrainischen Streitkräfte noch die Politiker, noch die freiwilligen Helfer noch die Aktivisten in der Lage sind, die OSZE-Mission daran zu hindern oder es ihr zu ermöglichen in den Osten der Ukraine zu gelangen. (Dies ist übrigens nicht der erste Versuch der deutschen Kollegen, eine solche Änderung durchzubringen. Gestern, dank der Bemühungen von Ivanna Klympush-Tsintsadze und Viktor Tschumak, gelang es der ukrainischen Delegation diese Änderung aus der Resolution des Wirtschaftsausschusses der Versammlung zu entfernen).

 

Und das Wichtigste, zur Auskunft: KARL LAMERS ist kein einfacher Bundestagsabgeordneter, er ist der stellvertretende Leiter des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Leiter der deutschen Delegation in der Parlamentarischen Versammlung der NATO, und darüber hinaus – Angela Merkels Parteigenosse in der CDU.

 

Und wenn ich alles richtig verstehe, wird sich bereits in den nächsten paar Stunden in der Parlamentarischen Versammlung der NATO ein Konflikt zwischen den proukrainischen Delegierten und dem Mitstreiter von Angela Merkel abzeichnen.

 

Vertreter von mindestens sieben Ländern, die an der Tagung teilnehmen, haben ihre Empörung über die Änderungsvorschläge der deutschen Seite bereits zum Ausdruck gebracht. Dabei hatten die Vertreter der Delegationen der USA, Großbritannien, Spanien, Litauen, Polen, Türkei und Luxemburg noch vor der Prüfung der Resolution mündlich volle Unterstützung bei der Aufhebung der Änderungsanträge von Karl Lamers zugesichert.

„Ein geduldiges, opferbereites, teilweise sogar blödes Volk“

„Ich war im Frühjahr in Armenien. Dort würde niemand auf die Straße gehen und schreien: Armenien muss bunter werden. Nationalstolz und Nationalbewusstsein sind dort ganz selbstverständlich vorhanden. Ganz anders in Deutschland. Da gibt es eine sonderbare Form der Selbstverachtung, die andere Nationen nicht haben. Auch diese merkwürdige Freude der Deutschen daran, dass andere Nationen sie angeblich besonders schätzen und mögen. Den Menschen in anderen Ländern wäre das völlig gleichgültig, völlig egal. Die Deutschen sind heute eher gutmütig und geduldig. Wenn Sie mich vor zwanzig Jahren gefragt hätten, was die Deutschen machen, wenn ihnen die Regierung keine Zinsen mehr auf ihre Ersparnisse geben würde, dann hätte ich gesagt: Revolution! Die Minister an die Laternen. Aber es ist nichts passiert: Sie sind ein geduldiges, opferbereites, teilweise sogar blödes Volk, weil sie sich ausnehmen lassen.“ Hier weiterlesen.

Achselzuckend ins politische Koma

„Bis vor wenigen Monaten sah die Skala deutscher Haltungen zum Asyl so aus: Ganz rechts: Grenzen zu, keiner rein. Ganz links: Grenzen auf, alle rein. Die politische Mitte verwies auf das geltende Recht. Einen Sommer später ist die ganz linke Position die Politik der Bundesregierung. Grenzen auf, alle rein. Was die Berliner Autonomen da skandierten, war darum so lächerlich, weil sie weit offene Türen einrannten. Vielleicht liefen darum so extrem wenige noch mit.“ Hier weiterlesen.

Kokain für die Gringos

Escobar_dead

Mehrere hundert Menschen soll er umgebracht haben: Der Auftragskiller Jhon Jairo Velásquez Vásquez, genannt „Popeye“. In den 1980er und frühen 1990er Jahren, als der milliardenschwere Drogenbaron und Gründer des berüchtigten Medellín-Kartells Pablo Escobar dem kolumbianischen Staat den Krieg erklärt hatte. Und ihn fast gewann.

Von den Behörden gejagt setzte Escobar ein Kopfgeld von 4.000 Dollar auf jeden getöteten Polizisten aus. Für Angehörige einer Eliteeinheit, die für seine Ergreifung zuständig war, zahlte er sogar 8.000 Dollar. Die Folgen glichen einem Erdbeben: Allein in der Hochburg Medellín übernahm Escobars Kartell die Verantwortung für 215 ermordete und 296 verletzte Polizeibeamte. Zu den weiteren Topdesopfern gehörten im ersten Halbjahr 1989 nicht weniger als 156 Funktionststrägern aus Regierung und Justiz.* Auch ein Präsidentschaftskandidat, ein Justizminister und Journalisten wurden zu Zielscheiben. Nicht zuletzt erschütterten mehr als 200 Bombenanschläge das südamerikanische Land.

Hitman und Escobar-Intimus Jhon „Popeye“ Vásquez verdiente sich durch die Kopfgelder eine goldene Nase. Doch genau wie seinen Boss, der 1993 von einer kolumbianisch-amerikanischen Sondereinhet getötet wurde, verließ auch „Popeye“ irgendwann das Glück und er landete für mehrere Jahrzehnte im Hochsicherheitsgefängnis Cómbita. Im August 2014 wurde jener Mann, der auf Anordnung Escobars sogar seine eigene Freundin umbrachte auf Bewährung entlassen. Doch auch nach seiner Entlassung sorgt Vásquez wieder für Schlagzeilen.

In einem Fernsehinterview hat „Popeye“ nun erstmals tiefere Einblicke in die Hintergründe des Kartells gegeben. So bekannte er die enge Zusammenarbeit zwischen Pablo Escobar und dem kommunistischen Kuba, um raue Mengen Kokain in die USA zu transportieren. Der damalige kubanische Verteidigungsminister und heutige Staatsschef Raúl Castro habe die Lieferungen persönlich in Empfang genommen. Als Briefbote sei damals der kolumbianische Schriftsteller und Castro-Vertraute Gabriel Garcia Marquez eingesetzt worden. Unter anderem habe Drogenboss Escobar in dem Schriftverkehr an die Castro-Brüder für den Schmuggel die Verwendung eines U-Boots angeregt.

Neu sind an diesen Aussagen nur die Details. Bereits die Regierung Regan-Bush hatte entsprechende Vorwürfe gegen das Castro-Regime erhoben. Bestätigt wurden diese 1991 durch die Zeugenaussage eines Gründungsmitglieds des Medellin-Kartells. Der deutschstämmige Co-Chef Carlos Lehder Rivas berichtete von zwei Treffen mit Verteidigungsminister Raúl Castro, um den Transport über kubanisches Gebiet zu erörtern. Auch in den Schmuggel über Nicaragua sei der kubanische Geheimdienst verwickelt gewesen.

Gestützt werden diese Aussagen durch einen weiteren Strafprozess. Über diesen schrieb der „Spiegel“ bereits 1989:

In den vergangenen Monaten war Fidel Castro durch US-Ermittlungen in die Enge getrieben worden. Seit Februar verhandelt ein Gericht in Miami gegen den gebürtigen Kubaner Reinaldo Ruiz und seinen Sohn Ruben wegen Drogenhandels. Peinlich für den Diktator: Die Angeklagten gaben an, ihre Flugzeuge seien auf Militärflughäfen gelandet, Kubas Küstenwache habe ihre Schnellboote auf dem Weg nach Florida beschützt. 400 000 Dollar Bestechungsgelder wollen sie an kubanische Beamte gezahlt haben. „Das Geld ging in Fidels Schublade“, behauptete Ruben.

An der „Cuban Connection“ nimmt die DEA schon seit langem Anstoß. 1982 kamen vor einem Gericht in Miami Einzelheiten heraus: Vier hohe kubanische Funktionäre wurden in Abwesenheit verurteilt, weil sie seit 1979 einen Rauschgiftweg von Kolumbien über Kuba aufgebaut hatten. Ein ehemaliger Agent des kubanischen Geheimdienstes DGI, Mario Estevez Gonzalez, sagte aus, daß 400 DGI-Agenten am Schmuggel beteiligt seien. (…)

Als im Februar 1988 ein Gericht in Miami Panamas starken Mann Antonio Noriega der Verwicklung in Drogengeschäfte anklagte, war Fidel Castro schon einmal ins Gerede gekommen. Ein langjähriger Vertrauter von Noriega erzählte, der kubanische Staatschef habe 1984 persönlich einen Streit zwischen den MedellIn-Bossen und Noriega geschlichtet.

Zuletzt bestätigte im April dieses Jahres Juan Reinaldo Sanchez den Drogenhandel durch Kuba. In einem Enthüllungsbuch berichtet er aus der lateinamerikanischen Diktatur verstörendes. Und Sanchez muss es wissen: Über 17 Jahre war er Leibwächter von Fidel Castro. Als er schließlich um Versetzung in den Ruhestand bat, durfte er tatsächlich aufhören zu arbeiten – und landete für 14 Jahre im Gefängnis. Offenbar wollte der Inselstaat verhindern, dass Fehlverhalten der Staatsführung wie der Drogenhandel publik wird. Nur der Flucht Sanchez ist es zu verdanken, dass dies nicht dauerhaft gelang.

Die Verstrickungen des Castro-Regimes sind derart gut belegt, dass sie sogar in Reiseführern Erwähnung finden. So heißt es in einem Ratgeber von „Marco Polo“:

Die einzigen staatlich anerkannten Drogen sind Musik, Alkohol und Arbeit für das Gemeinwohl. Die Revolutionäre veränderten die Welt nicht im Marihuanarausch, sondern unter hohem Blutzoll mit der Waffe. Obwohl Kuba zeitweise – mit dem Alibi, den USA zu schaden – den Drogenhandel Kolumbiens gewinnbringend unterstützte, ist der Konsum von Kokain, Haschisch oder Marihuana streng verboten. Wer mit Drogen erwischt wird, macht Bekanntschaft mit einem kubanischen Gefängnis.

Angesichts dieser erdrückenden Beweislage ist es bemerkenswert, wie vorsichtig die Tageszeitung „Die Welt“, lange bekannt als Flaggschiff des deutschen Konservatismus, über die neuerlichen Aussagen von Jhon „Popeye“ Vásquez schreibt:

Die neuesten Enthüllungen Popeyes haben politische Sprengkraft, denn er plauderte aus, welche prominenten Lateinamerikaner auf der Empfängerliste von Escobars Kokain-Lieferungen gestanden haben sollen. In dem in Medellín aufgezeichneten Interview mit dem Journalisten Ricardo Canaletti im Auftrag der TV-Sendung „Telenoche“ erhebt Popeye in seinem weißen Pullover dabei schwere Vorwürfe gegen die beiden Castro-Brüder aus Kuba.

„Politische Sprengkraft“ durch eine uralte, hinlänglich bekannte Verbindung? „Schwere Vorwürfe“ sollen das für ein Regime sein, das seine Kritiker zu Hunderten willkürlich wegsperrt? Allein im Juni wurden in Kuba laut der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte fast 700 Regimegegner in Kerker des kommunistischen Inselstaates geworfen. Über willkürliche Festnahmen während des kürzlichen Papstbesuchs hält die Organisation fest:

Während des Besuchs von Papst Franziskus auf Kuba vom 19. Bis zum 22. September 2015 wurden auf der kommunistisch regierten Karibikinsel rund 250 Demokratieaktivisten festgenommen. Dies berichtete die derzeit größte oppositionelle Organisation „Patriotische Union Kubas“ (UNPACU) der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Ein Zusammentreffen des Papstes mit der kubanischen Opposition fand trotz zahlreicher Petitionen nicht statt, auch Benedikt XVI. hatte sich bei seinem Besuch im März 2012 nicht mit den Demokratieaktivisten Kubas getroffen, sehr wohl aber mit Fidel und Raúl Castro.

In der kubanischen Hauptstadt Havanna wurden allein am 20. September 25 Mitglieder der Bürgerrechtsorganisation „Damen in Weiß“ verhaftet, um sie daran zu hindern, an der Papstmesse auf der „Plaza de la Revolución“ teilzunehmen. Das Regime versuchte so, „unbequeme“ Dissidenten von den Papstmessen fernzuhalten, richtete sich doch während der Anwesenheit des Papstes die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinde auf Kuba.

Haydée Gallardo Salazar, ehemalige politische Gefangene, war unter den 25 „Damen in Weiß“, die am 20. September 2015 verhaftet wurden. „Es war fürchterlich, wir wurden um 5 Uhr morgens verhaftet, als wir gerade auf dem Weg zur „Plaza de la Revolución“ waren. Wir wurden misshandelt, geschlagen und an den Haaren gezerrt und erst nach mehreren Stunden wieder freigelassen, in der Haft wurden wir von Beamten der Staatssicherheit beschimpft und bedroht“, berichtet sie der IGFM. „Weil ich Mitglied der ,Damen in Weiß‘ bin, wurden auch mein Mann und mein Sohn festgenommen“, so die Bürgerrechtsaktivistin, die bereits von Mai 2014 bis Januar 2015 inhaftiert war. Vorgeworfen wurden ihr „Missachtung der Autoritäten“ und „Störung der öffentlichen Ordnung“, nach Angabe der IGFM waren diese Anklagen aber fingiert, Gallardo Salazar war einzig wegen der Teilnahme an einem Protestmarsch der „Damen in Weiß“ in Haft. (…)

Die Bürgerrechtsorganisation „Damen in Weiß“ wurde 2003 gegründet, als im Zuge des kubanischen „schwarzen Frühlings“ 75 kubanische Menschenrechtler, Journalisten und Oppositionelle verhaftet und zu Haftstrafen zwischen sechs und 28 Jahren verurteilt wurden. Die Organisation ist mittlerweile in mehreren Teilen Kubas vertreten, ganz in weiß gekleidet besuchen die landesweit rund 240 Mitglieder der Bürgerrechtsorganisation regelmäßig die Sonntagsmessen, um für ihre inhaftierten Angehörigen zu beten. Danach gehen sie schweigend durch die Straßen der kubanischen Hauptstadt, mit einer Gladiole in der einen und einem Foto des inhaftierten Angehörigen in der anderen Hand.

Für Verantwortliche derartiger Zustände ist die Zusammenarbeit mit dem Medellín-Kartell kein schwerer Vorwurf. Wenn man nicht gerade Mitglied im Arbeitskreis „Cuba Sí“ der Linkspartei oder Übervorsichtiger „Welt“-Autor ist, sollte man derartige Verbindungen geradezu erwarten. Sogar Jhon „Popeye“ Vásquez gelingt da eine realistischere Beschreibung der Wirklichkeit:

Angesprochen auf die Frage, inwieweit man einem verurteilten Kriminellen solche Anschuldigungen glauben könne, die er gegen einen inzwischen angesehenen Staatsmann erhebe, sagte Popeye: „Das ist kein politischer Führer, das ist ein Diktator und auch nur ein weiterer Bandit.“

(Aufmacherfoto: Mitglieder der amerikanisch-kolumbianischen Elite-Einheit, die Pablo Escobar zur Strecke gebracht hat, posieren am 2. Dezember 1993 in Medellín neben dessen Leiche)

* vgl. Thomas Jäger, Anna Daun, Daniel Lambach, Carmen Lopera, Bea Maass, Britta Margraf: „Die Tragödie Kolumbiens: Staatszerfall, Gewaltmärkte und Drogenökonomie“, Verlag für Sozialwissenschaften 2007, S. 156, online abrufbar hier

„Am Anfang stand keine braune Seilschaft“

„Ehemalige SS- und Gestapo-Leute hätten zwar in den 1950er- und -60er-Jahren die Atmosphäre in manchen Abteilungen des Verfassungsschutzes beeinflusst, grundsätzlich geprägt hätten sie die Behörde jedoch nicht, sagte der Historiker Constantin Goschler im DLF. Die Sorge, dass nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland eine neue Gestapo entsteht, habe es sehr wohl gegeben – die Gefahr jedoch nicht.“ Hier weiterlesen.