Rezension: „Der Fall Richard Jewell“

Im Fokus der Öffentlichkeit: Wachmann Richard Jewell

Pandemiezeiten sind Streamingzeiten: Kürzlich habe ich den Film „Der Fall Richard Jewell“ von Clint Eastwood gesehen. Das Drama behandelt den Fall des zu Unrecht des Anschlags auf die Olympischen Spiele 1996 in Atlanta verdächtigten Sicherheitsmanns Richard Jewell.

Das FBI steht damals unter gewaltigem öffentlichem Druck einen Täter zu präsentieren und die amerikanischen Massenmedien suchen wie immer nach einer guten Story. Da kommt ein übergewichtiger Eigenbrötler wie Richard Jewell, der noch bei seiner Mutter lebt und gerne Polizist werden will, gerade Recht. Jewell ist das perfekte Ziel.

Clint Eastwood inszeniert sein Alterswerk gewohnt stringent und mit viel Einfühlungsvermögen für die Figur des Richard Jewell. Der Film ist auch eine Anklage gegen einen übergriffigen Staat, der im Namen der Terrorabwehr die Grundrechte seiner Bürger verletzt – angesichts von Clint Eastwoods libertärer Grundhaltung keine allzu große Überraschung.

Auch wenn Eastwoods Staatsskepsis für konservatives Empfinden an einigen Stellen zu weit geht, handelt es sich um ein sehenswerten Streifen, der zeigt, welche Gefahr von einem Staat ausgeht, der sich nicht an seine eigenen Gesetze hält. Und was Massenmedien anrichten können, die sich keinerlei Berufsethik verbunden fühlen und nur auf der Jagd nach der besten Story sind.

„Der Fall Richard Jewell“ ist per Stream auf Amazon sowie als DVD oder Blu-ray erhältlich.

>> Filmstarts.de: „DER FALL RICHARD JEWELL

Der verpönte Kapitalismus – und warum Intellektuelle ihn nicht mögen

„Eine Studie aus dem Jahre 2016 zeigt, dass das Verhältnis von linken zu konservativen Professoren an US-Universitäten 12:1 ist. Im Mittelbau (Hochschulassistenten etc.) ist es sogar noch extremer, hier gibt es ein Verhältnis von 48:1. (…) Was sie alle eint, ist der Antikapitalismus. „Antikapitalismus ist das am meisten verbreitete und überall praktizierte ideelle Bekenntnis unter Intellektuellen“, urteilte der amerikanische Historiker Alan S. Kahan. Und der Soziologe Thomas Cushman formulierte: „In gewisser Hinsicht ist der Antikapitalismus zur zentralen Säule der säkularen Religion der Intellektuellen geworden, der Habitus moderner kritischer Intellektueller als Statusgruppe.““ (Hier weiterlesen)

They Tried to Cancel Me

„The following morning, as I was preparing for my daily run, I took a peek at my email, and found several messages from an unknown sender. The first explained that my wife and I had become the targets of a rapidly expanding social media campaign bent on destroying our reputations and costing us our jobs.“ (Hier weiterlesen)

Die Entmenschlichung des Gegners am Beispiel Trump

„Anfang Juni berichteten diverse deutsche Medien von einem neuerlichen »Eklat« um den US-Präsidenten Donald Trump. Dieser habe vor seinem Staatsbesuch im Vereinigten Königreich den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan per Twitter »attackiert«, hieß es in Social-Media-Postings, Überschriften und Anreißern.

Man musste sich tief in die dazugehörigen Artikel vorarbeiten, um zu erfahren, dass Trump mit den fraglichen zwei Tweets auf einen vorangegangenen Angriff Khans reagiert hatte. Bei manchen erfuhr man es gar nicht. Bei keinem erhielt man einen Eindruck des Umfangs und der Schärfe von Khans Angriff.“ (Hier geht es weiter.)

Wenn der Mob tobt

Demonstranten in Michigan: „Eindringen in das Parlament“

Glaubt man deutschen Medienberichten, müssen in den USA bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen. Der Spiegel titelte kürzlich „Bewaffnete Demonstranten dringen in Parlamentsgebäude in Michigan ein“. In einer Bildergalerie des Internetdienstleisters GMX war zu lesen ein „Mob“ aus „Tea-Party-Rechten, Staatsverächtern und Verschwörungstheoretikern“ habe sich „Zutritt zum Parlamentsgebäude verschafft“. Der Tagesspiegel schrieb, Demonstranten würden das Parlament „belagern“.

Die mediale Berichterstattung zu den Vorgängen scheint indes wenig mit der Realität und viel mit den weltanschaulichen Projektionen der berichtenden Journalisten zu tun zu haben. Denn natürlich hat niemand widerrechtlich das Parlament von Michigan gestürmt – wie es der Begriff „eindringen“ suggeriert. Und natürlich wurde auch niemand am Betreten oder Verlassen des Gebäudes gehindert – wie es das Verb „belagern“ insinuiert.

Was es hingegen gegeben hat, ist eine Demonstration der Gruppe „Michigan United for Liberty“, die unter dem Motto „American Patriot Rally“ firmierte und sich gegen die wegen des Corona-Virus geltenden Handlungsbeschränkungen richtete. An der Versammlung nahmen nach Medienberichten mehrere Hundert Menschen teil, auf Fotos sind indes nur mehrere Dutzend Personen zu sehen.

Nur eine kleine Minderheit trug Schusswaffen

Wie die Fotos ebenfalls zeigen, trägt der Großteil der Versammlungsteilnehmer keinerlei Schusswaffen. Trotz dieses Umstandes verwenden deutsche Medien zur Bebilderung ihrer Artikel eine Gruppe von sieben bewaffneten Teilnehmern der „Michigan Liberty Militia“, die im Parlamentsgebäude für ein Bild posieren. Im Zusammenspiel mit den irreführenden Überschriften und Begleittexten wird hierdurch ein Zerrbild der tatsächlichen Vorgänge gezeichnet.

Aus journalistischer Sicht ebenfalls fragwürdig ist die Rede von „Tea-Party-Rechten, Staatsverächtern und Verschwörungstheoretikern“. Denn Ziel dieser Zuschreibungen ist offenkundig keine um größtmögliche Neutralität bemühte Darstellung eines Sachverhalts, wie es guten Journalismus ausmacht, sondern die Abwertung der Teilnehmer und die Beeinflussung der Lesermeinung.

Der richtige Platz für derartige Zuschreibungen wäre in einem als solchen gekennzeichneten Kommentar. Und auch dort wäre es der Seriosität sicherlich nicht abträglich, wenn man entsprechende Behauptungen belegen und nicht bloß spekulativ in den Raum stellen würde. Anhaltspunkt für den Vorwurf der „Staatsverachtung“ könnte etwa das Vorhandensein der häufig von Libertären genutzten Gadsden-Flagge sein – auch wenn dies als Begründung etwas dünn erscheint.

Bliebe natürlich noch die Sache mit den Waffen. Denn dass einige (wenige) Demonstranten sichtbar Schusswaffen getragen haben, dürfte unstrittig sein. Guten Journalismus würde es indes ausmachen, deren Anteil herauszufinden, so dass der Leser sich selbst ein Bild über die Zusammensetzung der Demonstration machen kann. Zu gutem Journalismus würde ferner die Beleuchtung der Hintergründe gehören – nämlich die Waffengesetze in den USA und speziell in Michigan.

Historische Hintergründe des Waffenrechts

Bekannt dürfte vielen der Zweite Zusatzartikel zur US-Verfassung („Second Amendment“) sein, der US-Bürgern das Recht zum Tragen von Schusswaffen zugesteht. Historischer Ursprung ist das früher in den USA vorherrschende Milizwesen. In diesem galt jeder wehrfähige Mann zwischen 18 und 54 Jahren als Milizionär, hatte vier Mal im Jahr an Übungen teilzunehmen und vor allem selbst für seine Bewaffnung mit einer Muskete und mindestens 24 Schuss Munition zu sorgen. Die Amerikanischen Armeen des Unabhängigkeitskrieges gegen Großbritannien und des Amerikanischen Bürgerkrieges bestanden aus solchen Milizionären, die im Hauptberuf keine Soldaten waren.

Aus den historischen Folgen der beiden Kriege, nämlich der Unabhängigkeit von Großbritannien sowie der Beendigung der Sklaverei, stammt wohl auch die spezifisch amerikanische Wahrnehmung der Schusswaffe als Symbol der Freiheit.

Nicht minder wichtig für das Einordnen der Ereignisse in Michigan dürfte der Begriff „Open Carry“ („offenes Tragen“) sein. Dieser bezeichnet das sichtbare Tragen von Schusswaffen an einem Holster bzw. Gurt am Körper. Nicht umfasst ist davon eine Schusswaffe in der Öffentlichkeit in der Hand zu halten, was in der Regel eine Straftat darstellt.

Die genauen Waffengesetze variieren in den 50 Bundesstaaten. In sieben Bundesstaaten und Washington D.C. ist das sichtbare Tragen gänzlich untersagt, in anderen Staaten wiederum ist eine besondere Erlaubnis notwendig oder die Waffe muss ungeladen sein. In Michigan dürfen Schusswaffen grundsätzlich offen getragen werden, Ausnahme bestehen etwa für Autos, Schulen, Krankenhäuser oder Sportstadien – nicht jedoch für das Parlamentsgebäude von Michigan.

Zusammenfassend kann also festgestellt werden, dass nicht einmal die Minderheit der Waffenträger sich in irgendeiner Form strafbar gemacht hat. Der Vorwurf des widerrechtlichen „Eindringens“ in das Parlament muss insofern als Falschdarstellung bezeichnet werden – und das ist bemerkenswert.

Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher

Denn wenn es um radikale Rechte geht, scheinen es viele Medien mit der Wahrheit nicht allzu genau zu nehmen – im Sinne der guten Sache versteht sich. Als etwa Anfang des Jahres in Leipzig Polizeibeamte durch radikale Linke verletzt wurden, war es der Zeit wichtig zu betonen, dass „es keinen orchestrierten Angriff“ gegeben habe. Die entsprechende Darstellung der Polizei sei falsch.

Das ist nicht nur problematisch, weil das verwackelte Video, welches als Grundlage dieser Bewertung dient, den eigentlichen Angriff gar nicht zeigt. Sondern auch, weil es einen gewisse Doppelstandard offen legt: Radikalen Rechten kann man das Eindringen in ein Parlament unterstellen, bei radikalen Linken ist hingegen wichtig, ob der Angriff „orchestriert“ war (was auch immer damit gemeint sein mag). Der journalistischen Glaubwürdigkeit dienlich ist ein derartiger Doppelstandard eher nicht.

>> 7news: Coronavirus update: Armed anti-lockdown protesters enter Michigan’s Capitol building

Veröffentlicht unter USA

Kokain für die Gringos

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Mehrere hundert Menschen soll er umgebracht haben: Der Auftragskiller Jhon Jairo Velásquez Vásquez, genannt „Popeye“. In den 1980er und frühen 1990er Jahren, als der milliardenschwere Drogenbaron und Gründer des berüchtigten Medellín-Kartells Pablo Escobar dem kolumbianischen Staat den Krieg erklärt hatte. Und ihn fast gewann.

Kopfgeld auf Polizisten

Von den Behörden gejagt setzte Escobar ein Kopfgeld von 4.000 Dollar auf jeden getöteten Polizisten aus. Für Angehörige einer Eliteeinheit, die für seine Ergreifung zuständig war, zahlte er sogar 8.000 Dollar. Die Folgen glichen einem Erdbeben: Allein in der Hochburg Medellín übernahm Escobars Kartell die Verantwortung für 215 ermordete und 296 verletzte Polizeibeamte. Zu den weiteren Topdesopfern gehörten im ersten Halbjahr 1989 nicht weniger als 156 Funktionststrägern aus Regierung und Justiz.* Auch ein Präsidentschaftskandidat, ein Justizminister und Journalisten wurden zu Zielscheiben. Nicht zuletzt erschütterten mehr als 200 Bombenanschläge das südamerikanische Land.

Hitman und Escobar-Intimus Jhon „Popeye“ Vásquez verdiente sich durch die Kopfgelder eine goldene Nase. Doch genau wie seinen Boss, der 1993 von einer kolumbianisch-amerikanischen Sondereinheit getötet wurde, verließ auch „Popeye“ irgendwann das Glück und er landete für mehrere Jahrzehnte im Hochsicherheitsgefängnis Cómbita. Im August 2014 wurde jener Mann, der auf Anordnung Escobars sogar seine eigene Freundin umbrachte auf Bewährung entlassen. Doch auch nach seiner Entlassung sorgt Vásquez wieder für Schlagzeilen.

Zusammenarbeit zwischen Drogenbaron und Kuba

In einem Fernsehinterview hat „Popeye“ nun erstmals tiefere Einblicke in die Hintergründe des Kartells gegeben. So bekannte er die enge Zusammenarbeit zwischen Pablo Escobar und dem kommunistischen Kuba, um raue Mengen Kokain in die USA zu transportieren. Der damalige kubanische Verteidigungsminister und heutige Staatsschef Raúl Castro habe die Lieferungen persönlich in Empfang genommen. Als Briefbote sei damals der kolumbianische Schriftsteller und Castro-Vertraute Gabriel Garcia Marquez eingesetzt worden. Unter anderem habe Drogenboss Escobar in dem Schriftverkehr an die Castro-Brüder für den Schmuggel die Verwendung eines U-Boots angeregt.

Neu sind an diesen Aussagen nur die Details. Bereits die Regierung Regan-Bush hatte entsprechende Vorwürfe gegen das Castro-Regime erhoben. Bestätigt wurden diese 1991 durch die Zeugenaussage eines Gründungsmitglieds des Medellin-Kartells. Der deutschstämmige Co-Chef Carlos Lehder Rivas berichtete von zwei Treffen mit Verteidigungsminister Raúl Castro, um den Transport über kubanisches Gebiet zu erörtern. Auch in den Schmuggel über Nicaragua sei der kubanische Geheimdienst verwickelt gewesen.

Gestützt werden diese Aussagen durch einen weiteren Strafprozess. Über diesen schrieb der „Spiegel“ bereits 1989:

In den vergangenen Monaten war Fidel Castro durch US-Ermittlungen in die Enge getrieben worden. Seit Februar verhandelt ein Gericht in Miami gegen den gebürtigen Kubaner Reinaldo Ruiz und seinen Sohn Ruben wegen Drogenhandels. Peinlich für den Diktator: Die Angeklagten gaben an, ihre Flugzeuge seien auf Militärflughäfen gelandet, Kubas Küstenwache habe ihre Schnellboote auf dem Weg nach Florida beschützt. 400 000 Dollar Bestechungsgelder wollen sie an kubanische Beamte gezahlt haben. „Das Geld ging in Fidels Schublade“, behauptete Ruben.

An der „Cuban Connection“ nimmt die DEA schon seit langem Anstoß. 1982 kamen vor einem Gericht in Miami Einzelheiten heraus: Vier hohe kubanische Funktionäre wurden in Abwesenheit verurteilt, weil sie seit 1979 einen Rauschgiftweg von Kolumbien über Kuba aufgebaut hatten. Ein ehemaliger Agent des kubanischen Geheimdienstes DGI, Mario Estevez Gonzalez, sagte aus, daß 400 DGI-Agenten am Schmuggel beteiligt seien. (…)

Als im Februar 1988 ein Gericht in Miami Panamas starken Mann Antonio Noriega der Verwicklung in Drogengeschäfte anklagte, war Fidel Castro schon einmal ins Gerede gekommen. Ein langjähriger Vertrauter von Noriega erzählte, der kubanische Staatschef habe 1984 persönlich einen Streit zwischen den MedellIn-Bossen und Noriega geschlichtet.

Zuletzt bestätigte im April dieses Jahres Juan Reinaldo Sanchez den Drogenhandel durch Kuba. In einem Enthüllungsbuch berichtet er aus der lateinamerikanischen Diktatur verstörendes. Und Sanchez muss es wissen: Über 17 Jahre war er Leibwächter von Fidel Castro. Als er schließlich um Versetzung in den Ruhestand bat, durfte er tatsächlich aufhören zu arbeiten – und landete für 14 Jahre im Gefängnis. Offenbar wollte der Inselstaat verhindern, dass Fehlverhalten der Staatsführung wie der Drogenhandel publik wird. Nur der Flucht Sanchez ist es zu verdanken, dass dies nicht dauerhaft gelang.

Erwähnung sogar im Reiseführer

Die Verstrickungen des Castro-Regimes sind derart gut belegt, dass sie sogar in Reiseführern Erwähnung finden. So heißt es in einem Ratgeber von „Marco Polo“:

Die einzigen staatlich anerkannten Drogen sind Musik, Alkohol und Arbeit für das Gemeinwohl. Die Revolutionäre veränderten die Welt nicht im Marihuanarausch, sondern unter hohem Blutzoll mit der Waffe. Obwohl Kuba zeitweise – mit dem Alibi, den USA zu schaden – den Drogenhandel Kolumbiens gewinnbringend unterstützte, ist der Konsum von Kokain, Haschisch oder Marihuana streng verboten. Wer mit Drogen erwischt wird, macht Bekanntschaft mit einem kubanischen Gefängnis.

Angesichts dieser erdrückenden Beweislage ist es bemerkenswert, wie vorsichtig die Tageszeitung „Die Welt“, lange bekannt als Flaggschiff des deutschen Konservatismus, über die neuerlichen Aussagen von Jhon „Popeye“ Vásquez schreibt:

Die neuesten Enthüllungen Popeyes haben politische Sprengkraft, denn er plauderte aus, welche prominenten Lateinamerikaner auf der Empfängerliste von Escobars Kokain-Lieferungen gestanden haben sollen. In dem in Medellín aufgezeichneten Interview mit dem Journalisten Ricardo Canaletti im Auftrag der TV-Sendung „Telenoche“ erhebt Popeye in seinem weißen Pullover dabei schwere Vorwürfe gegen die beiden Castro-Brüder aus Kuba.

„Politische Sprengkraft“ durch eine uralte, hinlänglich bekannte Verbindung? „Schwere Vorwürfe“ sollen das für ein Regime sein, das seine Kritiker zu Hunderten willkürlich wegsperrt? Allein im Juni wurden in Kuba laut der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte fast 700 Regimegegner in Kerker des kommunistischen Inselstaates geworfen. Über willkürliche Festnahmen während des kürzlichen Papstbesuchs hält die Organisation fest:

Während des Besuchs von Papst Franziskus auf Kuba vom 19. Bis zum 22. September 2015 wurden auf der kommunistisch regierten Karibikinsel rund 250 Demokratieaktivisten festgenommen. Dies berichtete die derzeit größte oppositionelle Organisation „Patriotische Union Kubas“ (UNPACU) der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Ein Zusammentreffen des Papstes mit der kubanischen Opposition fand trotz zahlreicher Petitionen nicht statt, auch Benedikt XVI. hatte sich bei seinem Besuch im März 2012 nicht mit den Demokratieaktivisten Kubas getroffen, sehr wohl aber mit Fidel und Raúl Castro.

In der kubanischen Hauptstadt Havanna wurden allein am 20. September 25 Mitglieder der Bürgerrechtsorganisation „Damen in Weiß“ verhaftet, um sie daran zu hindern, an der Papstmesse auf der „Plaza de la Revolución“ teilzunehmen. Das Regime versuchte so, „unbequeme“ Dissidenten von den Papstmessen fernzuhalten, richtete sich doch während der Anwesenheit des Papstes die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinde auf Kuba.

Haydée Gallardo Salazar, ehemalige politische Gefangene, war unter den 25 „Damen in Weiß“, die am 20. September 2015 verhaftet wurden. „Es war fürchterlich, wir wurden um 5 Uhr morgens verhaftet, als wir gerade auf dem Weg zur „Plaza de la Revolución“ waren. Wir wurden misshandelt, geschlagen und an den Haaren gezerrt und erst nach mehreren Stunden wieder freigelassen, in der Haft wurden wir von Beamten der Staatssicherheit beschimpft und bedroht“, berichtet sie der IGFM. „Weil ich Mitglied der ,Damen in Weiß‘ bin, wurden auch mein Mann und mein Sohn festgenommen“, so die Bürgerrechtsaktivistin, die bereits von Mai 2014 bis Januar 2015 inhaftiert war. Vorgeworfen wurden ihr „Missachtung der Autoritäten“ und „Störung der öffentlichen Ordnung“, nach Angabe der IGFM waren diese Anklagen aber fingiert, Gallardo Salazar war einzig wegen der Teilnahme an einem Protestmarsch der „Damen in Weiß“ in Haft. (…)

Die Bürgerrechtsorganisation „Damen in Weiß“ wurde 2003 gegründet, als im Zuge des kubanischen „schwarzen Frühlings“ 75 kubanische Menschenrechtler, Journalisten und Oppositionelle verhaftet und zu Haftstrafen zwischen sechs und 28 Jahren verurteilt wurden. Die Organisation ist mittlerweile in mehreren Teilen Kubas vertreten, ganz in weiß gekleidet besuchen die landesweit rund 240 Mitglieder der Bürgerrechtsorganisation regelmäßig die Sonntagsmessen, um für ihre inhaftierten Angehörigen zu beten. Danach gehen sie schweigend durch die Straßen der kubanischen Hauptstadt, mit einer Gladiole in der einen und einem Foto des inhaftierten Angehörigen in der anderen Hand.

Für Verantwortliche derartiger Zustände ist die Zusammenarbeit mit dem Medellín-Kartell kein schwerer Vorwurf. Wenn man nicht gerade Mitglied im Arbeitskreis „Cuba Sí“ der Linkspartei oder übervorsichtiger „Welt“-Autor ist, sollte man derartige Verbindungen geradezu erwarten. Sogar Jhon „Popeye“ Vásquez gelingt da eine realistischere Beschreibung der Wirklichkeit:

Angesprochen auf die Frage, inwieweit man einem verurteilten Kriminellen solche Anschuldigungen glauben könne, die er gegen einen inzwischen angesehenen Staatsmann erhebe, sagte Popeye: „Das ist kein politischer Führer, das ist ein Diktator und auch nur ein weiterer Bandit.“

(Aufmacherfoto: Mitglieder der amerikanisch-kolumbianischen Elite-Einheit, die Pablo Escobar zur Strecke gebracht hat, posieren am 2. Dezember 1993 in Medellín neben dessen Leiche)

* vgl. Thomas Jäger, Anna Daun, Daniel Lambach, Carmen Lopera, Bea Maass, Britta Margraf: „Die Tragödie Kolumbiens: Staatszerfall, Gewaltmärkte und Drogenökonomie“, Verlag für Sozialwissenschaften 2007, S. 156, online abrufbar hier

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Hollywood hat den Ruf, liberal zu sein. Aufgeschlossen und fortschrittlich. Doch ein Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik zeigt: Nur der Schein ist wirklich rein. Tatsächlich ist Hollywood rassistisch, sexistisch und lässt auch ansonsten keine Möglichkeit aus, so diskriminierend wie eine Rede des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump (69) zu sein.

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c) Süddeutsche Zeitung
d) taz
e) Bild

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