Rezension: „Der Fall Richard Jewell“

Im Fokus der Öffentlichkeit: Wachmann Richard Jewell

Pandemiezeiten sind Streamingzeiten: Kürzlich habe ich den Film „Der Fall Richard Jewell“ von Clint Eastwood gesehen. Das Drama behandelt den Fall des zu Unrecht des Anschlags auf die Olympischen Spiele 1996 in Atlanta verdächtigten Sicherheitsmanns Richard Jewell.

Das FBI steht damals unter gewaltigem öffentlichem Druck einen Täter zu präsentieren und die amerikanischen Massenmedien suchen wie immer nach einer guten Story. Da kommt ein übergewichtiger Eigenbrötler wie Richard Jewell, der noch bei seiner Mutter lebt und gerne Polizist werden will, gerade Recht. Jewell ist das perfekte Ziel.

Clint Eastwood inszeniert sein Alterswerk gewohnt stringent und mit viel Einfühlungsvermögen für die Figur des Richard Jewell. Der Film ist auch eine Anklage gegen einen übergriffigen Staat, der im Namen der Terrorabwehr die Grundrechte seiner Bürger verletzt – angesichts von Clint Eastwoods libertärer Grundhaltung keine allzu große Überraschung.

Auch wenn Eastwoods Staatsskepsis für konservatives Empfinden an einigen Stellen zu weit geht, handelt es sich um ein sehenswerten Streifen, der zeigt, welche Gefahr von einem Staat ausgeht, der sich nicht an seine eigenen Gesetze hält. Und was Massenmedien anrichten können, die sich keinerlei Berufsethik verbunden fühlen und nur auf der Jagd nach der besten Story sind.

„Der Fall Richard Jewell“ ist per Stream auf Amazon sowie als DVD oder Blu-ray erhältlich.

>> Filmstarts.de: „DER FALL RICHARD JEWELL

Die Entmenschlichung des Gegners am Beispiel Trump

„Anfang Juni berichteten diverse deutsche Medien von einem neuerlichen »Eklat« um den US-Präsidenten Donald Trump. Dieser habe vor seinem Staatsbesuch im Vereinigten Königreich den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan per Twitter »attackiert«, hieß es in Social-Media-Postings, Überschriften und Anreißern.

Man musste sich tief in die dazugehörigen Artikel vorarbeiten, um zu erfahren, dass Trump mit den fraglichen zwei Tweets auf einen vorangegangenen Angriff Khans reagiert hatte. Bei manchen erfuhr man es gar nicht. Bei keinem erhielt man einen Eindruck des Umfangs und der Schärfe von Khans Angriff.“ (Hier geht es weiter.)

Tod in Dublin

Brücke in Dublin: Journalistische Selbstreflexion findet man eher im Ausland

„Bloggerin Marie Sophie Hingst ist gestorben“ titelte die Tageszeitung Die Welt kürzlich. Das ist nicht ganz falsch. Und es ist nicht ganz richtig. Denn Marie Hingst ist nicht einfach „gestorben“. Sie hat Suizid begangen. Und das auch nicht einfach aus heiterem Himmel, sondern nachdem der Spiegel Anfang Juni in einer großen Geschichte samt Fotos öffentlich gemacht hatte, dass Hingst angebliche Holocaust-Opfer in ihrer Familie erfunden und an die israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gemeldet hat. Dass sie – anders als von ihr behauptet – auch nicht mit 19 Jahren in Neu-Delhi ein „Slumkrankenhaus“ gegründet hat. Und dass sie keine Sexualaufklärung bei jungen Syrern in Deutschland geleistet hat, wie sie in diversen Artikeln und Interviews behauptete. Sechs Wochen nach der Veröffentlichung des Spiegel-Stücks war Hingst tot.

Dabei ist der Spiegel-Artikel keineswegs das, was man im Englischen ein „hit piece“ nennt. Also ein Beitrag, dessen einzige Intention die möglichst negative Darstellung einer Person oder Institution ist. Der Autor Mar­tin Doer­ry tritt dem Gegenstand seiner Berichterstattung zwar kritisch gegenüber, aber er bleibt dabei respektvoll, beschreibt auch, was nicht so recht zum Stereotype der gewissenlosen Hochstaplerin passen mag:

Auf Fotografien wirkt die 31-Jährige mit ihren langen braunen Haaren mädchenhaft und keinesfalls prätentiös, Eitelkeit scheint ihr fremd. Ihr ganzer Habitus wirkt ebenso intellektuell wie bescheiden.

Spiegel-Redakteur Martin Doerry über Sophie Hingst

Dass der Artikel so sachlich daher kommt, erscheint nicht ganz selbstverständlich, ist der Autor Mar­tin Doer­ry doch selbst Enkel eines Holocaust-Überlebenden. Angesichts einer Frau, die nicht weniger als 22 Holocaust-Opfer ihrer Familie erfunden und an ein jüdisches Opferarchiv gemeldet, ja sich sogar öffentlich damit gebrüstet hat, gehört eine gehörige Portion Professionalität und Selbstkontrolle dazu, sich hier nicht von seinen Emotionen übermannen zu lassen und ein differenziertes Stück abzuliefern. Das nötigt einem einen gewissen Respekt ab.

Erhebliche Folgen durch Berichterstattung

Gleichwohl stellt sich zunächst die Frage, ob dieses Stück, der Artikel in der ersten Juni-Ausgabe des Spiegel, überhaupt hätte erscheinen sollen. Denn man muss über keine große Fantasie verfügen, um sich vorstellen zu können, was die öffentliche und im digitalen Zeitalter dauerhafte Bloßstellung als Holocaust-Schwindlerin mit einem Menschen macht.

Rechtliche Voraussetzung für eine Berichterstattung mit vollen Namen ist in Deutschland, dass ein öffentliches Interesse besteht, welches das Persönlichkeitsrecht der betreffenden Person überwiegt. Vorliegend hat Hingst einen mäßig bekannten Blog betrieben, für diesen einen kaum bekannten Preis der Gruppe Die goldenen Blogger („Bloggerin des Jahres 2017“, nach der Spiegel-Enthüllung aberkannt) erhalten und unter Pseudonym insgesamt fünf Artikel bzw. Interviews in BR, SWR, Deutschlandfunk, Zeit und FAZ platziert, die auf erfundenen Begebenheiten beruhten. Das macht sie zwar nicht zu einem Michael Jackson, gleichwohl dürfte kein Zweifel bestehen, dass eine namensnennende Berichterstattung zulässig war, hat Hingst sich mit ihrem Blog doch selbst in die Öffentlichkeit begeben, wahrheitswidrige Medienberichte geschaffen und nicht existierende Holocaust-Opfer in ihrer Familie erfunden.

Allerdings muss nicht alles, was rechtlich zulässig ist, auch moralisch richtig sein. Drängt sich bei einem derartigen Maß an öffentlichen Lügen, zu der auch der behauptete und ebenfalls erfundene Suizid der eigenen Mutter gehörte, der Verdacht auf eine schwere psychische Krankheit nicht geradezu auf? Oder ist dies bloß der wohlfeile Blick von Leuten, die hinterher immer besser wissen, was man hätte tun oder nicht tun sollen?

Die schwierige Frage nach der Verantwortung

Klar ist, dass Martin Doerry die Mutter von Hingst einfach hätte fragen können. Er hat mit ihr telefoniert. So schreibt er es im Spiegel. Was in dem Telefonat besprochen und ob eine mögliche psychische Krankheit darin vielleicht sogar thematisiert worden ist, bleibt unklar. Hingsts Mutter wollte den Inhalt des Gesprächs nicht im Spiegel lesen.

Manch einer wird nun sicher fragen, ob der Spiegel sich hier auf eine unbekannte Bloggerin gestürzt hat, um den hausinternen Skandal um erfundenen Geschichten durch den Redakteur Claas Relotius vergessen zu machen. Vielleicht wird sogar jemand auf die Idee kommen zu behaupten, dass Martin Doerry angesichts seiner eigenen Familiengeschichte und einer daraus entnommenen Verpflichtung, einen Missbrauch des Holocausts zu verhindern, die Möglichkeit einer psychischen Erkrankung zu wenig in Betracht gezogen hat.

Doch die Verantwortung für die Ereignisse liegt nicht bei Martin Doerry. Zum einen kann man auch einer psychisch kranken Person nicht alles durchgehen lassen – egal ob sie Menschen mit einem Messer angreift oder Holocaust-Opfer erfindet. Zum anderen war es zwar der Spiegel, der die Geschichte öffentlich gemacht hat und sie auch in englischer Übersetzung ins Netz gestellt hat, so dass Hingsts Umfeld in Dublin sie lesen konnte. Doch auch der russische Staatssender Russia Today und andere haben die sie aufgegriffen und in englische Sprache übersetzt.

Nach der Veröffentlichung des Ursprungsartikel im Spiegel wurde zudem ein Wikipedia-Artikel zu Hingst erstellt, der diese bis zu ihrem Tod im ersten Satz als „deutsche Bloggerin und Hochstaplerin“ vorstellte. Wer weiß, wie weit oben Wikipedia-Artikel bei Google-Ergebnissen rangieren und wie viel Seriosität ihnen beigemessen wird, wird den Druck erahnen können, unter dem Hingst bis zu ihrem Tod stand.

Ein Vorwurf bleibt

Einen Vorwurf muss man dem Spiegel jedoch in jedem Fall machen: Dass er nach dem Suizid keinerlei Selbstreflexion betrieben hat. Man bedaure den Tod von Hingst, hieß es formelhaft aus dem Verlag. Bei einem Gespräch habe sie „einen konzentrierten, souveränen und keineswegs psychisch angegriffenen Eindruck“ gemacht und man wolle sich an „einer öffentlichen Diskussion über die Ursachen und Hintergründe des Tods“ nicht beteiligen. Für ein deutsches Leitmedium, dessen Bericht den Tod eines Menschen zur Folge hatte, ist das erstaunlich wenig, man möchte fast sagen: Schnoddrig.

Wie man es besser machen kann, zeigt die Irish Times. Das Blatt aus Hingsts Wahlheimat Dublin hat einen ausführlichen Artikel über die Affäre veröffentlicht, der nicht nur exzellent recherchiert und geschrieben ist, sondern auch die Macht von Journalisten selbstkritisch reflektiert. Beim Spiegel, dem selbsternannten „Sturmgeschütz der Demokratie“, scheint man daran kein Interesse zu haben.

Nachtrag: Der Spiegel-Autor Martin Doerry hat in einem Beitrag seine Sicht der Dinge dargelegt. Laut Lea Rosh, der Vorsitzenden des Förderkreises „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“, hat die Mutter von Hingst Doerry in dem besagten Telefonat über die psychische Erkrankung ihrer Tochter informiert. Allerdings habe Doerry diese in seinem Artikel bewusst nicht erwähnt. Rosh: „Das hätte seine Geschichte von der Hochstaplerin, der Lügnerin und Quasi-Verbrecherin schließlich kaputt gemacht“.

>> Irish Times: „The life and tragic death of Trinity graduate and writer Sophie Hingst
>> NZZ: „Der tragische Fall einer Fälscherin

Veröffentlicht unter Medien

Kokain für die Gringos

Escobar_dead

Mehrere hundert Menschen soll er umgebracht haben: Der Auftragskiller Jhon Jairo Velásquez Vásquez, genannt „Popeye“. In den 1980er und frühen 1990er Jahren, als der milliardenschwere Drogenbaron und Gründer des berüchtigten Medellín-Kartells Pablo Escobar dem kolumbianischen Staat den Krieg erklärt hatte. Und ihn fast gewann.

Kopfgeld auf Polizisten

Von den Behörden gejagt setzte Escobar ein Kopfgeld von 4.000 Dollar auf jeden getöteten Polizisten aus. Für Angehörige einer Eliteeinheit, die für seine Ergreifung zuständig war, zahlte er sogar 8.000 Dollar. Die Folgen glichen einem Erdbeben: Allein in der Hochburg Medellín übernahm Escobars Kartell die Verantwortung für 215 ermordete und 296 verletzte Polizeibeamte. Zu den weiteren Topdesopfern gehörten im ersten Halbjahr 1989 nicht weniger als 156 Funktionststrägern aus Regierung und Justiz.* Auch ein Präsidentschaftskandidat, ein Justizminister und Journalisten wurden zu Zielscheiben. Nicht zuletzt erschütterten mehr als 200 Bombenanschläge das südamerikanische Land.

Hitman und Escobar-Intimus Jhon „Popeye“ Vásquez verdiente sich durch die Kopfgelder eine goldene Nase. Doch genau wie seinen Boss, der 1993 von einer kolumbianisch-amerikanischen Sondereinheit getötet wurde, verließ auch „Popeye“ irgendwann das Glück und er landete für mehrere Jahrzehnte im Hochsicherheitsgefängnis Cómbita. Im August 2014 wurde jener Mann, der auf Anordnung Escobars sogar seine eigene Freundin umbrachte auf Bewährung entlassen. Doch auch nach seiner Entlassung sorgt Vásquez wieder für Schlagzeilen.

Zusammenarbeit zwischen Drogenbaron und Kuba

In einem Fernsehinterview hat „Popeye“ nun erstmals tiefere Einblicke in die Hintergründe des Kartells gegeben. So bekannte er die enge Zusammenarbeit zwischen Pablo Escobar und dem kommunistischen Kuba, um raue Mengen Kokain in die USA zu transportieren. Der damalige kubanische Verteidigungsminister und heutige Staatsschef Raúl Castro habe die Lieferungen persönlich in Empfang genommen. Als Briefbote sei damals der kolumbianische Schriftsteller und Castro-Vertraute Gabriel Garcia Marquez eingesetzt worden. Unter anderem habe Drogenboss Escobar in dem Schriftverkehr an die Castro-Brüder für den Schmuggel die Verwendung eines U-Boots angeregt.

Neu sind an diesen Aussagen nur die Details. Bereits die Regierung Regan-Bush hatte entsprechende Vorwürfe gegen das Castro-Regime erhoben. Bestätigt wurden diese 1991 durch die Zeugenaussage eines Gründungsmitglieds des Medellin-Kartells. Der deutschstämmige Co-Chef Carlos Lehder Rivas berichtete von zwei Treffen mit Verteidigungsminister Raúl Castro, um den Transport über kubanisches Gebiet zu erörtern. Auch in den Schmuggel über Nicaragua sei der kubanische Geheimdienst verwickelt gewesen.

Gestützt werden diese Aussagen durch einen weiteren Strafprozess. Über diesen schrieb der „Spiegel“ bereits 1989:

In den vergangenen Monaten war Fidel Castro durch US-Ermittlungen in die Enge getrieben worden. Seit Februar verhandelt ein Gericht in Miami gegen den gebürtigen Kubaner Reinaldo Ruiz und seinen Sohn Ruben wegen Drogenhandels. Peinlich für den Diktator: Die Angeklagten gaben an, ihre Flugzeuge seien auf Militärflughäfen gelandet, Kubas Küstenwache habe ihre Schnellboote auf dem Weg nach Florida beschützt. 400 000 Dollar Bestechungsgelder wollen sie an kubanische Beamte gezahlt haben. „Das Geld ging in Fidels Schublade“, behauptete Ruben.

An der „Cuban Connection“ nimmt die DEA schon seit langem Anstoß. 1982 kamen vor einem Gericht in Miami Einzelheiten heraus: Vier hohe kubanische Funktionäre wurden in Abwesenheit verurteilt, weil sie seit 1979 einen Rauschgiftweg von Kolumbien über Kuba aufgebaut hatten. Ein ehemaliger Agent des kubanischen Geheimdienstes DGI, Mario Estevez Gonzalez, sagte aus, daß 400 DGI-Agenten am Schmuggel beteiligt seien. (…)

Als im Februar 1988 ein Gericht in Miami Panamas starken Mann Antonio Noriega der Verwicklung in Drogengeschäfte anklagte, war Fidel Castro schon einmal ins Gerede gekommen. Ein langjähriger Vertrauter von Noriega erzählte, der kubanische Staatschef habe 1984 persönlich einen Streit zwischen den MedellIn-Bossen und Noriega geschlichtet.

Zuletzt bestätigte im April dieses Jahres Juan Reinaldo Sanchez den Drogenhandel durch Kuba. In einem Enthüllungsbuch berichtet er aus der lateinamerikanischen Diktatur verstörendes. Und Sanchez muss es wissen: Über 17 Jahre war er Leibwächter von Fidel Castro. Als er schließlich um Versetzung in den Ruhestand bat, durfte er tatsächlich aufhören zu arbeiten – und landete für 14 Jahre im Gefängnis. Offenbar wollte der Inselstaat verhindern, dass Fehlverhalten der Staatsführung wie der Drogenhandel publik wird. Nur der Flucht Sanchez ist es zu verdanken, dass dies nicht dauerhaft gelang.

Erwähnung sogar im Reiseführer

Die Verstrickungen des Castro-Regimes sind derart gut belegt, dass sie sogar in Reiseführern Erwähnung finden. So heißt es in einem Ratgeber von „Marco Polo“:

Die einzigen staatlich anerkannten Drogen sind Musik, Alkohol und Arbeit für das Gemeinwohl. Die Revolutionäre veränderten die Welt nicht im Marihuanarausch, sondern unter hohem Blutzoll mit der Waffe. Obwohl Kuba zeitweise – mit dem Alibi, den USA zu schaden – den Drogenhandel Kolumbiens gewinnbringend unterstützte, ist der Konsum von Kokain, Haschisch oder Marihuana streng verboten. Wer mit Drogen erwischt wird, macht Bekanntschaft mit einem kubanischen Gefängnis.

Angesichts dieser erdrückenden Beweislage ist es bemerkenswert, wie vorsichtig die Tageszeitung „Die Welt“, lange bekannt als Flaggschiff des deutschen Konservatismus, über die neuerlichen Aussagen von Jhon „Popeye“ Vásquez schreibt:

Die neuesten Enthüllungen Popeyes haben politische Sprengkraft, denn er plauderte aus, welche prominenten Lateinamerikaner auf der Empfängerliste von Escobars Kokain-Lieferungen gestanden haben sollen. In dem in Medellín aufgezeichneten Interview mit dem Journalisten Ricardo Canaletti im Auftrag der TV-Sendung „Telenoche“ erhebt Popeye in seinem weißen Pullover dabei schwere Vorwürfe gegen die beiden Castro-Brüder aus Kuba.

„Politische Sprengkraft“ durch eine uralte, hinlänglich bekannte Verbindung? „Schwere Vorwürfe“ sollen das für ein Regime sein, das seine Kritiker zu Hunderten willkürlich wegsperrt? Allein im Juni wurden in Kuba laut der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte fast 700 Regimegegner in Kerker des kommunistischen Inselstaates geworfen. Über willkürliche Festnahmen während des kürzlichen Papstbesuchs hält die Organisation fest:

Während des Besuchs von Papst Franziskus auf Kuba vom 19. Bis zum 22. September 2015 wurden auf der kommunistisch regierten Karibikinsel rund 250 Demokratieaktivisten festgenommen. Dies berichtete die derzeit größte oppositionelle Organisation „Patriotische Union Kubas“ (UNPACU) der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Ein Zusammentreffen des Papstes mit der kubanischen Opposition fand trotz zahlreicher Petitionen nicht statt, auch Benedikt XVI. hatte sich bei seinem Besuch im März 2012 nicht mit den Demokratieaktivisten Kubas getroffen, sehr wohl aber mit Fidel und Raúl Castro.

In der kubanischen Hauptstadt Havanna wurden allein am 20. September 25 Mitglieder der Bürgerrechtsorganisation „Damen in Weiß“ verhaftet, um sie daran zu hindern, an der Papstmesse auf der „Plaza de la Revolución“ teilzunehmen. Das Regime versuchte so, „unbequeme“ Dissidenten von den Papstmessen fernzuhalten, richtete sich doch während der Anwesenheit des Papstes die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinde auf Kuba.

Haydée Gallardo Salazar, ehemalige politische Gefangene, war unter den 25 „Damen in Weiß“, die am 20. September 2015 verhaftet wurden. „Es war fürchterlich, wir wurden um 5 Uhr morgens verhaftet, als wir gerade auf dem Weg zur „Plaza de la Revolución“ waren. Wir wurden misshandelt, geschlagen und an den Haaren gezerrt und erst nach mehreren Stunden wieder freigelassen, in der Haft wurden wir von Beamten der Staatssicherheit beschimpft und bedroht“, berichtet sie der IGFM. „Weil ich Mitglied der ,Damen in Weiß‘ bin, wurden auch mein Mann und mein Sohn festgenommen“, so die Bürgerrechtsaktivistin, die bereits von Mai 2014 bis Januar 2015 inhaftiert war. Vorgeworfen wurden ihr „Missachtung der Autoritäten“ und „Störung der öffentlichen Ordnung“, nach Angabe der IGFM waren diese Anklagen aber fingiert, Gallardo Salazar war einzig wegen der Teilnahme an einem Protestmarsch der „Damen in Weiß“ in Haft. (…)

Die Bürgerrechtsorganisation „Damen in Weiß“ wurde 2003 gegründet, als im Zuge des kubanischen „schwarzen Frühlings“ 75 kubanische Menschenrechtler, Journalisten und Oppositionelle verhaftet und zu Haftstrafen zwischen sechs und 28 Jahren verurteilt wurden. Die Organisation ist mittlerweile in mehreren Teilen Kubas vertreten, ganz in weiß gekleidet besuchen die landesweit rund 240 Mitglieder der Bürgerrechtsorganisation regelmäßig die Sonntagsmessen, um für ihre inhaftierten Angehörigen zu beten. Danach gehen sie schweigend durch die Straßen der kubanischen Hauptstadt, mit einer Gladiole in der einen und einem Foto des inhaftierten Angehörigen in der anderen Hand.

Für Verantwortliche derartiger Zustände ist die Zusammenarbeit mit dem Medellín-Kartell kein schwerer Vorwurf. Wenn man nicht gerade Mitglied im Arbeitskreis „Cuba Sí“ der Linkspartei oder übervorsichtiger „Welt“-Autor ist, sollte man derartige Verbindungen geradezu erwarten. Sogar Jhon „Popeye“ Vásquez gelingt da eine realistischere Beschreibung der Wirklichkeit:

Angesprochen auf die Frage, inwieweit man einem verurteilten Kriminellen solche Anschuldigungen glauben könne, die er gegen einen inzwischen angesehenen Staatsmann erhebe, sagte Popeye: „Das ist kein politischer Führer, das ist ein Diktator und auch nur ein weiterer Bandit.“

(Aufmacherfoto: Mitglieder der amerikanisch-kolumbianischen Elite-Einheit, die Pablo Escobar zur Strecke gebracht hat, posieren am 2. Dezember 1993 in Medellín neben dessen Leiche)

* vgl. Thomas Jäger, Anna Daun, Daniel Lambach, Carmen Lopera, Bea Maass, Britta Margraf: „Die Tragödie Kolumbiens: Staatszerfall, Gewaltmärkte und Drogenökonomie“, Verlag für Sozialwissenschaften 2007, S. 156, online abrufbar hier

Totgeschwiegen

„Nürnberg. 12. Juli 2014. Ein türkischstämmiger Mann wird am Hauptbahnhof von zwei Deutschen angegriffen und so schwer verletzt, dass er wenige Tage später an den Folgen verstirbt. Fälle wie dieser lösen – zu Recht – immer wieder Wellen der Betroffenheit aus. Es folgen Parlamentsdebatten, Lichterketten, zahllose Berichte über die Zunahme rechter Gewalt und am Ende steht die Aufstockung der Fördermittel für „Gegen-Rechts“-Initiativen. Im Nürnberger Fall blieb das große Echo allerdings aus, denn die Täter waren keine Fremdenfeinde, Neonazis oder Rechtsextremisten – sie waren linksorientierte Punks.“ Hier weiterlesen.

Nur Schweigen

„Was hätte es für einen „Aufschrei“ gegeben, wenn Rechtsradikale einen Anschlag auf – sagen wir einmal – die Firma eines prominenten Grünen-Politikers verübt hätten. Die Rufe nach „Konsequenzen“ und die Aufforderung zu „Zivilcourage“ wären nicht zu überhören gewesen. Ganz anders beim Anschlag auf die Firma der AfD-Chefin Frauke Petry in Leipzig: Da ist nur brüllendes Schweigen, in den sozialen Medien gar unterschwellige Schadenfreude im linken Milieu. Das ist ein übles Zeichen für den Zustand der politischen Kultur.“ Hier weiterlesen.

Quizstunde

Aus welcher Tageszeitung stammt folgender Text?

Hollywood hat den Ruf, liberal zu sein. Aufgeschlossen und fortschrittlich. Doch ein Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik zeigt: Nur der Schein ist wirklich rein. Tatsächlich ist Hollywood rassistisch, sexistisch und lässt auch ansonsten keine Möglichkeit aus, so diskriminierend wie eine Rede des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump (69) zu sein.

a) Neues Deutschland
b) Junge Welt
c) Süddeutsche Zeitung
d) taz
e) Bild

Na? Woher? Genau, hierher.

Große Denker der Gegenwart (1)

Manche Menschen denken an das Abendessen, andere träumen vom Eigenheim und wiederum andere haben immer das große Ganze im Blick. Zu letzteren gehört zweifellos Katja Kipping, ihres Zeichen Bundesvorsitzende der SED PDS Die Linke.PDS Partei „Die Linke“. Auf der eigenen Homepage klärt sie Unwissende über die Bedeutung des Begriffs „fem-ma“ auf:

Liebe feministische Marxistinnen, liebe feministische Marxisten, liebe Interessierte Gäste,

vor einiger Zeit – im Rahmen einer dialektischen Weiterbildung – begab sich eine Runde linker Frauen in ihrer Erinnerung auf die Suche an ihr jeweils erstes Mal. Also das erste Mal, sich selbst bewusst als Feministin und Marxistin zu bezeichnen. (…)

Ich selber bemerkte beim Nachdenken über mein erstes Outing als Feministin und Marxistin, um wie viel zaghafter mein Bekenntnis ausfiel, Marxistin zu sein und wie viel leichter es mir fiel, mich als Feministin zu bezeichnen.

Ein ellenlanger, sich in marxistischem Sektierertum ergehender Text, aufgelockert durch ein paar sexuelle Anspielungen – das ist schon nicht schlecht. Mit Luise Puschs Traktat in der ebenfalls feministischen „EMMA“ kann er gleichwohl nicht mithalten. Pusch nutzt darin den Absturz einer Germanwings-Maschine in Frankreich, um eine „Frauenquote fürs Cockpit“ zu fordern:

Amoktrips sind Männersache. Und die Lufthansa hat 94 Prozent männliche Piloten. Das sollte sie ändern, meint Luise Pusch. 14 der 16 im Airbus zerschellten „Schüler“ sind Schülerinnen und die zwei „Lehrer“ sind Lehrerinnen. Die Opfer sind überwiegend Frauen, die Täter sind männlich.

Auch ganz nett. Steigerungsfähig? Aber ja! taz-Chefredakteurin Ines Pohl stellt auf Twitter folgende philosophischen Überlegungen zum gleichen Flugsteugabsturz an:

Dann doch lieber Abendessen und Eigenheim…

„Zeit“ hätte NSU gestoppt

Wären Polizisten nur halb so pfiffig wie „Zeit“-Autoren – den „Nationalsozialistischen Untergrund“ hätte es wohl nie gegeben. Straftaten würden im Nullkommanichts aufgeklärt, etwaige Terroristen sofort erkannt. Dieser Eindruck drängt jedenfalls sich auf, wenn man einen aktuellen Beitrag von Tom Sundermann auf dem Blog der „Zeit“ liest. Sundermann schreibt:

In einer Samstagnacht im April 1996 entdeckte ein Lkw-Fahrer eine Puppe, die von einer Brücke über der Autobahn A4 in der Nähe von Jena baumelte. Als Beamte der Autobahnpolizei den Gegenstand untersuchten, stellten sie fest, dass auf dem Torso ein Davidstern mit dem Schriftzug „Jude“ angebracht war.

Auf der Brücke fanden die Polizisten zwei Kartons, mit Kabeln verbunden, daneben ein Verkehrsschild mit den Worten „Vorsicht Bombe“. (…) Es war ein deutlicher Hinweis darauf, dass ein Krimineller wie der damals 18-jährige Böhnhardt vor Terroranschlägen nicht zurückschreckte.

Wenn jemand eine Puppe mit der Aufschrift „Jude“ von einer Autobahnbrücke hängt, so zeugt das zweifellos von einem enormen Maß an Menschenverachtung. Die Aggressivität der Symbolik legt auch ein gewisses Maß an Gewaltbereitschaft nahe. Dass der oder die Täter sich zwangsläufig dem Terrorismus zuwenden werden, bedeutet es indes nicht. Sundermann weiter:

Um den Fall kümmerte sich die Sonderkommission Rex, kurz für Rechtsextremismus. Die Beamten ermittelten weder mit viel Elan noch mit großen Erfolgen – vielmehr war die Sonderkommission ein Kessel voller Dorfpolizisten, die aus verschiedenen Ecken Thüringens für eine Art Praktikum abgeordnet wurden. Die Spur führte zu Böhnhardt, weil er einen Fingerabdruck auf einem der Kartons hinterlassen hatte.

Halten wir fest:

1. Die Behörden erkannten die politische Motivation korrekt und übergaben den Fall der zuständigen Sonderkommission.
2. Die Ermittler konnten über einen Fingerabdruck einen Tatverdächtigen ausmachen.
3. Dieser wurde später vom Amtsgericht Jena für die ihm vorgeworfene Tat verurteilt.

Eigentlich ein Bilderbuch-Beispiel für saubere Polizeiarbeit. Doch alles, was Tom Sundermann dazu einfällt, ist die in dieser chaotischen Situation unmittelbar nach dem Ende der „DDR“ ermittelnden Beamten als „Dorfpolizisten“ abzuqualifizieren und ihnen mangelnden Elan zu unterstellen. Mit objektiven Journalismus hat dies nichts, mit Verbreitung der eigenen Ressentiments dafür aber um so mehr zu tun.

Yasmin ist stolz

FahimiSPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi ist stolz. In ihrer Heimatstadt Hannover nämlich haben „mehr als 2000 Leute (..) gegen den rechten Mob demonstriert, friedlich aber bestimmt“. Nun gut, die Vergehen des „rechten Mobs“ beschränkten sich auf das zweimalige Zünden von Pyrotechnik. Und friedlich war der Protest gegen ihn, nun ja, auch nicht wirklich. Im Polizeibericht heißt es:

Im Bereich der Schmiedestraße stellten die Einsatzkräfte das Aufnehmen von Steinen fest. Nachdem sich die Beamten vor möglichen Angriffen wappneten und ihre Helme aufsetzten, blieben allerdings in der weiteren Folge Steinwürfe aus. Als aus dem Zug heraus vermehrt Böller und Flaschen geworfen wurden, brachten die Einsatzkräfte einen Wasserwerfer in Position. Entgegen einzelner Berichterstattung wurde der Einsatz nicht angedroht. Die Demonstranten wurden lediglich aufgefordert, das Werfen einzustellen und sich friedlich zu verhalten. Darüber hinaus griffen Versammlungsteilnehmer des linken Spektrums Polizisten an einer Straßensperre an der Königstraße / Berliner Allee an. Die Beamten konnten sich unverletzt in Sicherheit bringen, das von ihnen zurück gelassene Fahrzeug hingegen wurde erheblich beschädigt.

Das ist allerdings noch nicht alles. Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ schreibt:

Ein HAZ-Reporter meldet, dass die Bierstube „Larifari“ in der Andreastraße angegriffen worden ist: Bengalische Feuer wurden gezündet, Stühle flogen ins Fenster und es gab Rufe:“ Nazischweine“. Polizei war nicht in der Nähe.

Der „Focus“ sekundiert:

17.51 Uhr: Wie ein Polizei-Reporter meldet, ist ein Hooligan nach einer Schlägerei ins Krankenhaus eingeliefert worden. Weitere Personenschäden sind bisher nicht bekannt.

Tatsächlich handelt es sich wohl um ein und denselben Vorfall. Auf einem Video (siehe unten) sind die Geschehnisse festgehalten. Darauf ist eine Gruppe von rund 30 schwarz gekleideten Kämpfern für eine bessere Welt zu sehen, die – um in der Diktion von Frau Fahimi zu bleiben – vier Angehörige des „rechten Mobs“ angreift und einen von ihnen zu Boden prügelt.

Gewalt hat es also eine ganze Menge gegeben. Nur eben nicht vom „rechten Mob“, weshalb die Medien lediglich von „vereinzelten Scharmützel in der City“ (Hannoversche Allgemeine Zeitung) zu berichten wissen. Dafür hat Yasmin Fahimi ein beeindruckendes Maß an Autosuggestion unter Beweis gestellt. Das ist doch auch schon mal etwas.

Nachtrag: Die Polizei hat in oben geschilderten Fall Ermittlungen wegen eines versuchten Tötungsdelikts aufgenommen. Demnach haben die Täter, die auch Schlagwerkzeuge verwendet haben sollen, den Tod ihres Opfer jedenfalls billigend in Kauf genommen. In einer entsprechenden Pressemitteilung ist von Kopfverletzungen, einem Kieferbruch, einem Rippenbruch sowie diversen Prellungen die Rede.