Mit der „Zeit“ ins Mittelalter

Im Mittelalter war der Pranger eine verbreitete Form der Bestrafung. Delinquenten wurden an belebten Orten unter Nennung ihres Vergehens zur Schau gestellt und von der Bevölkerung mit Obst beworfen oder gar verprügelt. Während der Staat auf dieses fragwürdige Mittel längst verzichtet, haben autonome Linksextremisten eine modernisierte Form in die heutige Zeit retten können: Bei sogenannten „Outings“ versuchen sie, Andersdenkende im Internet oder der realen Welt bloßzustellen und zu diffamieren. Das Bundesamt für Verfassungsschutz schreibt über diese Fortschreibung einer unseligen Tradition:

Ein Handlungsschwerpunkt von Linksextremisten in diesem Aktionsfeld bildet zudem das Aufdecken rechtsextremistischer Strukturen und Aktivitäten sowie das Outen tatsächlicher oder vermeintlicher Angehöriger der rechtsextremistischen Szene.

Ziel dieser Outing-Aktionen ist es, Informationen über tatsächliche oder vermeintliche Rechtsextremisten zu sammeln, um diese Personen in der Öffentlichkeit anzuprangern und gleichzeitig aus der Anonymität zu zerren. Darüber hinaus dienen Outing-Aktionen auch der Abschreckung, indem sie Rechtsextremisten Konsequenzen androhen. Den betroffenen Personen soll ein politisches Arbeiten unmöglich gemacht werden.

Dass die von den Sicherheitsbehörden durch derartige „Outings“ befürchtete Eskalation zwischen Links- und Rechtsextremisten nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt ein Vorfall vom Oktober 2011 in der Nähe von Freiburg. Auf einem Autobahnparkplatz attackierte eine Gruppe Vermummter damals einen Angehörigen der rechten Szene. Dieser gab mit seinem Pkw Gas und verletzte einen den Angreifer schwer. Wenig überraschend: Zuvor war der Angegriffene mit Lichtbildern auf der linken Szeneplattform Linksunten Indymedia „geoutet“ worden.

Wer ein wenig im Internet recherchiert, findet zudem schnell heraus, dass es bei „Outing“-Aktionen aufgrund von schlampiger Recherche häufig zu Verwechslungen kommt (siehe etwa hier, hier und hier). Die „Zeit“ scheint dies so lange es gegen „Rechts“ geht, nicht sonderlich zu stören. In einem längeren Artikel verteidigt „Zeit“-Autor Ralf Pauli die Praxis und meint:

Ein viel debattierter Vorschlag: Die Hochschulen sollen die Namen bekannter Nazi-Kader selber öffentlich machen. Gerade weil die Outings durch linke Gruppierungen mitunter problematisch sind. Denn oft werden die Aktionen gefilmt und online gestellt, ohne dass die Betroffenen damit einverstanden wären. Und dann kommt es wie an der Ruhr-Uni gelegentlich auch auf der Seite der Aktivisten zu Gewalt.* Die Universitäten müssen dies aus guten Gründen verurteilen, selbst wenn sie das Engagement ihrer Studenten gutheißen. Ein triftiger Grund für die Hochschulen, das Outing selbst in die Hand zu nehmen und einer möglichen Eskalation im Hörsaal zuvorzukommen, zumindest, wenn es sich um Funktionäre handelt oder Studenten, die öffentlich ihre rechtsextreme Anschauung vertreten, zum Beispiel in Wahlkämpfen.

Es bleibt das Geheimnis von Pauli, wo dieser Vorschlag außerhalb von DKP-Ortsgruppen „viel debattiert“ wird. Gleichwohl handelt es sich natürlich um eine ganz hervorragende Idee: Damit irgendwelche durchgeknallten Linksextremisten nicht ausrasten, wenn sie beim Versuch Andersdenkende bloßzustellen gestört werden, soll der Staat das Bloßstellen gleich selbst übernehmen. Toll! Um auf einen derartigen Einfall zu kommen, muss man wohl schon „Zeit“-Journalist sein. Weiter behauptet Ralf Pauli:

Outings stoßen nicht nur Öffentliche Debatten an. Sie sind auch ein starkes Signal an die Gesellschaft: Wir tolerieren keine Menschenfeindlichkeit. Dieses Bloßstellen mag diffamierend wirken – es ist juristisch vertretbar. Bernd Wagner von der Neonazi-Aussteigerinitiative EXIT-Deutschland äußerte sich im Studentenmagazin Fudder zu einem vergleichbaren Fall an der Universität Freiburg: „Die Studentin verkündet öffentlich ihre sehr radikale rechtsextreme Weltanschauung. Dadurch wird sie zu einer Person der Zeitgeschichte und muss damit rechnen, auf ihre Gesinnung angesprochen zu werden.“

An dieser Stelle tritt die moralische Schwäche von Paulis Argumentation unübersehbar zu Tage. Auf Menschenfeindlichkeit soll mit Menschenfeindlichkeit geantwortet werden. Nach dieser Logik müsste der Staat brutale Mörder ebenfalls brutal umbringen. Ob das so wünschenswert ist? Auch die juristische Beurteilung ist zweifelhaft. Denn je nach Art des „Outings“ können von Beleidigung über Üble Nachrede und Verleumdung bis hin zu einem Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz eine Vielzahl von Straftatbeständen erfüllt sein.

Nicht weniger problematisch ist, dass Pauli nur selektiv zitiert. So sagte Bernd Wagner in dem inkriminierten Gespräch mit „Fudder“ auch:

„Gleichzeitig gilt immer noch das Gebot der Meinungsfreiheit. Es geht nicht an, dass jeder, der in irgendeiner Weise antihuman denkt und sich in dieser Richtung äußert, aus unserer pluralistischen Gesellschaft ausgeschlossen wird. Wenn jeder seine Meinung frei äußern darf, nur Rechtsextreme nicht, macht man sich das Verständnis des demokratischen Verfassungsstaates zu einfach.“

Der letzte Satz sei insbesondere übermotivierten „Zeit“-Journalisten ans Herz gelegt…

* Ende 2013 hatten autonome Linksextremisten durch ein „Outing“ eine Jura-Vorlesung in Bochum gestört. Als der vortragende Professor sie des Saales verwies, schlugen sie ihm ins Gesicht.

Männer – das schuldige Geschlecht

In Zeiten, in denen eine absurde Ideologie wie „Gender Mainstreaming“ als Wissenschaft verkauft und durch das Bundesfamilienministerium alljährlich am „Girl’s day“ bzw. „Boy’s day“ zur Staatsdoktrin erhoben wird, ist Geschlechterpolitik aktueller denn je. Dabei liegt das Elend der hierbei sichtbar werdenden Strömungen Feminismus und Maskulinismus in ihrer Einseitigkeit. Während Feministen sich lediglich um die vermeintlichen Bedürfnisse der Frauen kümmern, interessieren sich Maskulinisten nur für die vermeintlichen Belange der Männer.

Der Unterschied besteht freilich darin, dass feministische Projekte massiv mit Steuermitteln gepäppelt werden, während der ideologische Gegenpol des Maskulinismus ein Sektiererdasein führt und seine reine Existenz den meisten Bundesbürgern nicht einmal bekannt ist – weshalb er kaum problematische Entwicklungen verursacht.

Ganz anders sieht da es beim Feminismus aus. Dessen Lobbyisten finden sich in Parteien, Rundfunk und Talkshows. Um die Kräfteverhältnisse richtig einzuschätzen, genügt ein kurzer Blick auf die omnipräsente Feministin Alice Schwarzer. Das Politmagazin „Cicerco“ bescheinigte ihr „die Frau mit der höchsten öffentlichen Deutungsmacht“ zu sein. Eine durchaus bemerkenswerte Stellung für eine Person, die sich noch 1994 in der „Emma“ diebisch darüber freute, dass die US-Amerikanerin Lorena Bobbitt ihrem schlafenden Ehemann wegen angeblicher Misshandlungen den Penis abgetrennt hatte.

Derart grobschlächtig gehen die meisten Vertreter des Feminismus heute nicht mehr vor. Die ideologisch verengte Sichtweise und das Ressentiment gegen den Mann sind gleichwohl in Kern erhalten geblieben. Ein anschauliches Beispiel hierfür findet sich in einem aktuellen Artikel der deutschen Ausgabe der „Huffington Post“. Diese nutzt eine an sich unproblematische Initiative gegen sexuelle Übergriffe als Gelegenheit, um männerfeindliche Stereotype zu transportieren. Kostprobe:

Viele junge Männer sind sich nicht einmal bewusst, dass sie etwas Falsches tun. Zum Beispiel, wenn sie ein betrunkenes Mädchen auf einer Party abschleppen und mit ihm Sex haben, obwohl es kaum etwas davon mitbekommt. Oder wenn sie ihre Freundin dazu drängen, mit ihnen ins Bett zu gehen, obwohl sie noch warten will.

Da ist sie wieder, die Bestie Mann. Sie schleppt betrunkene, unschuldige „Mädchen“ von Partys ab, um mit ihnen Sex zu haben – und ist dabei selbstverständlich selbst immer stocknüchtern. Sie drängt ihre Freundin mit ihr „ins Bett zu gehen“, obwohl diese das noch nicht will. Dass so etwas genau so gut umgekehrt vorkommen kann – undenkbar. Jedenfalls in der ideologisch sterilen Welt deutscher Feministen, wo die Rollen für „gut“ und „böse“ seit Jahrzehnten konstant vergeben werden…